Das Interview führte Lara Wulz
Peter, wie bewertest du die aktuelle Situation rund ums Mountainbiken in Österreich?
Mountainbiken ist eine boomende Sportart. Das Zielpublikum ist extrem breit, es reicht von Freizeitfahrerinnen und -fahrern bis hin zu Downhill-Adrenalinjunkies. Allerdings führt die Popularität zu einer Überlastung der Strecken, die legal befahrbar sind; eine Erweiterung des legal befahrbaren Streckennetzes ist daher unbedingt notwendig. Mountainbiken ist zudem auch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Tourismusregionen profitieren stark von den vielen Nächtigungen der Biker*innen. Die Forst- und Jagdwirtschaft sowie der Naturschutz sehen die Auswirkungen des MTB-Booms eher kritisch.
Wie haben E-Bikes das Verhalten der Radfahrer*innen verändert?
E-Bikes ermöglichen mehr Menschen den Zugang zum Sport, was grundsätzlich positiv ist. Insbesondere für ältere und rekonvaleszente Menschen bergen sie ungeahnte Möglichkeiten. Doch sie bringen auch Herausforderungen mit sich: Das höhere Gewicht des E-Bikes, die höhere Geschwindigkeit beim Bergauffahren und die größere Reichweite erhöhen die Anforderungen und das Konfliktpotenzial. Überholmanöver auf schmalen Wegen werden oft riskant bzw. rücksichtslos durchgeführt. Hier sind Geduld und gegenseitige Rücksichtnahme gefragt. Vor allem gesunde und fitte Menschen, die eigentlich kein E-Bike bräuchten, sollten sich fragen, ob sie wirklich eines nutzen müssen.
Wie könnte man diese Konflikte entschärfen?
Die Fair-Play-Regeln der Naturfreunde spielen hier eine wichtige Rolle, weil sie ein respektvolles Miteinander fördern. Zusätzlich brauchen wir mehr legale Wege, um die Auslastung der bestehenden Strecken zu verringern - mehr markierte Touren und Trails und eine bessere Besucherlenkung wären also der Schlüssel.
Wie wichtig ist Naturschutz beim Biken?
Naturschutz ist essenziell. Um die Natur nicht unnötig zu belasten, sollte man stets auf den erlaubten Wegen bleiben. Zum Schutz der Wildtiere sind die Dämmerungs- und Ruhezeiten einzuhalten.
Wie könnte Mountainbiken in Österreich nachhaltiger werden?
Eine Lösung wäre, bestehende Infrastruktur nutzbar und legal befahrbar zu machen, damit möglichst viele Fahrer*innen direkt von ihrem Wohnort aus starten können. Das würde viele Autofahrten zu Trails vermeiden und die CO₂-Belastung reduzieren. Öffentlich zugängliche Infrastrukturen müssen verbessert werden, damit auch abgelegene Regionen ohne Auto erreicht werden können.
Welche Botschaft möchtest du an MTB- und E-Biker*innen richten?
Mountainbiken ist eine großartige Möglichkeit, die Natur zu erleben und sich psychisch sowie physisch gesund und fit zu halten. Aber es liegt an jedem Einzelnen, Verantwortung zu übernehmen: Respektiert die Natur, haltet euch an die Regeln und zeigt, dass wir Biker*innen Teil der Lösung sein können!