Das Interview führte DIin Regina Hrbek, Leiterin der Abteilung Natur-, Umweltschutz und Hüttenmanagement der Naturfreunde Österreich, Fotos: Doris List-Winder, Martha Reischl
Martha, warum hast du dich dafür entschieden, eine Hütte zu bewirtschaften?
Das war schon immer unser Traum, eine eigene Hütte zu bewirtschaften, zwar nicht in der Größe, aber das Oskar-Schauer-Haus (siehe auch Seite xx) hat nach uns gerufen. Mir gefallen die Abgeschiedenheit und das Einfache auf einer Hütte. Tagsüber ist sehr viel zu tun, am Abend, wenn bis auf unserer Übernachtungsgäste alle weg sind, gehört uns die Alm ganz alleine. Aber auch die täglichen Herausforderungen haben ihren Reiz, daran wächst man.
Mit welchen Herausforderungen hast du als Hüttenwirtin zu kämpfen?
Da wir unsere reichhaltige Speisekarte fast wöchentlich ändern, ist die Speiseplanung eine große Herausforderung. Wir haben so viele Ideen, was wir kochen wollen, aber auf unserem Tischherd nicht genug Platz. Wir sind nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen und kochen daher alles auf unserem alten, liebevoll restaurierten Tischherd aus dem Jahr 1932. Vor allem, wenn sehr viel los ist, muss ich das Speisenangebot kleiner halten, sonst schaffen wir es von der Arbeit her nicht, wenn alle zugleich vom Berg kommen. Mehr Personal ist für uns aufgrund der hohen Lohnnebenkosten nicht leistbar. Auch das Abschätzen, wie viele Gäste kommen werden, ist nicht immer einfach.
Ein gewichtiges Thema ist die Stromversorgung. Wie kommt ihr jetzt damit zurecht?
Wenn genug Sonne scheint, haben wir Strom über unsere Photovoltaikanlage bzw. Akkus. Bei Schlechtwetter müssen wir unser Notstromaggregat einschalten. Wir wollten aber so unabhängig wie möglich von Notstromaggregaten und Heizöl für die Stromerzeugung sein. Daher wurde unsere Photovoltaikanlage erweitert, und wir investierten in eine kleine Windkraftanlage. Die alten Speicherbatterien wurden durch vier neue leistungsstarke Akkus ersetzt. Im Jänner 2025 ließen wir einen dreiphasigen Wechselrichter - den neuesten und modernsten auf dem Markt - installieren, damit auch unsere Starkstromgeräte (Haubenspülmaschine, Knetmaschine) über die Photovoltaikanlage/Speicher betrieben werden können. Auch die Aufteilung im Sicherungskasten wurde auf den neuesten Stand gebracht. Jetzt brauchen wir nicht mehr zu zittern, ob die Leitung überlastet wird, wenn die Kaffeemaschine und die Kühlschränke laufen und der Wasserkocher eingeschaltet wird. Wir haben also sehr viel gemacht, damit das Arbeiten für uns einfacher wird. Da möchte ich mich bei Claudia Pühringer, einer sehr guten Freundin, bedanken, die uns sehr unterstützt hat; ohne ihre Hilfe wäre der Umbau finanziell nicht zu stemmen gewesen.
Was ist dir bei der Auswahl der Lebensmittel besonders wichtig?
Wir kochen nur mit frischen, regionalen und saisonalen Lebensmitteln. Das Gemüse für unsere Gerichte wächst zum Großteil in unseren mittlerweile zehn Hochbeeten rund ums Haus. Die bunten Frühstückseier stammen von unseren 14 Hennen, die liebevoll von einem Hahn betreut werden. Das Wild beziehen wir von den Jägern auf unserer Alm, das Rindfleisch von einem Bauern aus der Nähe und das Schweinefleisch von der steirischen Marke „Steirerglück“. Selbst der Reis, den wir verwenden, wird in der Steiermark angebaut. Die Mehlspeisen und das Brot werden in unserer hauseigenen Backstube selbst gebacken.
Kannst du uns besondere Gerichte empfehlen, die du auf der Hütte anbietest?
Unsere Burger: der Almburger mit Rindfleisch, der Wildererburger mit Wildfleisch und natürlich unser Steirerburger mit dem Käferbohnenpatty. Vom Weckerl über die Saucen bis hin zu den Patties ist alles selbst gemacht. In der „Klimaschmankerl“-Broschüre der Naturfreunde findet man das Rezept für unseren Steirerburger auf Seite 52.
Ihr kocht also auch gerne vegane und vegetarische Schmankerl?
Ja natürlich! Da zwei meiner Mitarbeiterinnen Vegetarierinnen sind, ist das für uns kein Problem. Je nach Saison bieten wir vegetarische Delikatessen wie den Steirerburger, Schwammerlgulasch, Schwammerlreis, Kaspressknödel auf Salat oder Sauerkraut und den Bergsteigersalat mit Käse an. Auch unsere Schwammerlsuppe mit Sterz ist ein Genuss. Vegane Gerichte sind zum Beispiel der Steirerburger ohne Käse, unsere Brennnesselschlutzkrapfen, die Bärlauchspaghetti, der Linsenaufstrich und unser Apfelstrudel. Wir sind ständig am Überlegen, welche neuen veganen und vegetarischen Speisen wir kochen könnten. Uns ist Abwechslung sehr wichtig.
Wenn du einen Wunsch als Hüttenwirtin frei hättest, welcher wäre das?
Dass mehr Hütten bewirtschaftet werden, damit das Weitwandern wieder attraktiver wird. Unser Haus liegt ja am Österreichischen Weitwanderweg 02 (Wegabschnitt 502) und am Österreichischen Weitwanderweg 05 (Wegabschnitt 505). Und ich wünsche mir, dass Hans Rauchegger noch lange Hüttenwart und Vorsitzender der Naturfreunde Voitsberg bleibt. Die Zusammenarbeit mit ihm ist einfach spitze.